Der vermeintliche Tod des offenen Web’s

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mspro hat in seinem Blog vom Tod des Open Web gesprochen. Dieser Beitrag ist ein Kommentar dazu, denn mir sind so einige Gedanken dazu gekommen. In seinem Beitrag kritisiert er die zunehmende Monopolisierung durch große Plattformen wie Facebook. Sehr gut geschrieben und auch empfehlenswert den Artikel zu lesen.

Zunächst einmal gehe ich auf die 90er Jahre ein. Hey, mal ehrlich, wer war da im Web wirklich unterwegs? Menschen mit einer Faszination für Technik und Wissen, dazu der Wille letzteres mit der Welt zu teilen. Um nicht zu sagen, überwiegend Menschen mit dem Hang dazu ein Nerd zu sein. Ich erinnere mich noch gut an diese Zeit. Für uns war es nicht nur wichtig klicken zu können und uns dann zu freuen, wenn etwas passierte. Nein, wir waren daran interessiert wie dieses Gerät funktioniert, das sich Computer nennt. Mit dem Aufkommen des Internets wurde unsere Spielwiese nur vergrößert, auch hier ging es darum zu verstehen und das Verstandene zu teilen. Anfangs konnte man von einem Massenmedium noch gar nicht reden, schließlich musste man fast schon ein Freak sein, um sich in den Weiten des Internets bewegen zu können.

Am Anfang war die Neugierde

Irgendwann war es dann aber soweit, die kritische Masse an Nutzern wurde erreicht und das Web hat sich verbreitet. Natürlich hatten die „Neuland-Reisenden“ nicht wirklich ein Interesse daran, zu wissen wie das alles funktioniert, solange es funktioniert. Wenn Gerät und/oder Zugang mal rumgezickt haben, dann hat man halt den freundlichen „Nerd“ aus dem Freundeskreis angerufen. Wichtig war alleine das Angebot und die Möglichkeiten, sofern sie von Ottonormalbürger auch genutzt werden konnten. Nachrichten konsumieren, chatten, in Foren lesen oder auch mal etwas spielen. E-Mail verschicken sowieso, ist wohl einer der ältesten Dienste des Internets. Ich erinnere mich noch an die Zeiten der grausigen Privat-Homepäääääges, die man sich einrichten konnte. Das war schon etwas für den Bürger, der mehr wollte als nur zu kommunizieren. Aber auch hier war Einfacheit das Wichtigste. Oder kurz gesagt, für die Masse geht es darum, dass es funktioniert. Schließlich kann man nicht von jedem Menschen erwarten, dass er weiß wie man eine Kommandozeile bedient oder gar ein CMS aufsetzt oder noch besser, wie man programmiert. Die Wenigsten dürften wissen, wie ein Radio im Detail funktioniert, wenn es aber Töne abspielt, dann sind die Meisten dabei und finden das gut.

Den Umstand, dass wir früher wenige Technik begeisterte Leute waren, die sich als viele im Web vorkamen und heute eine Minderheit sind, da das Medium massentauglich geworden ist, darf man nicht ignorieren.

Facebook als Beispiel

Ich sehe dieses Netzwerk auch sehr kritisch, in der Form, dass ich es eigentlich nicht mag, es aber durchaus funktioniert. Keiner wird gezwungen sich dort anzumelden! Vielmehr tut die Masse es, weil es funktioniert und die Menschen tatsächlich recht einfach vernetzt und darüber hinaus kommunizieren lässt. Die oft flachen und einfach gestrickten Inhalte, die dort geteilt werden, unterstreichen das Konzept nur allzu oft. Wer mehr nicht will, bekommt auch nicht mehr geboten und bleibt dann auch nur innerhalb dieser Welt. Für alle, die sich wirklich für Themen interessieren, also so richtig, die dürften alleine mit Facebook nicht unbedingt glücklich werden. Denn so geht es auch mir, ich zähle mich aber auch nicht zu der Masse an Menschen, die einfach nur wollen, das funktioniert was da funktioniert. Ich interessiere mich schon eher dafür, wie etwas funktioniert.

Über das Thema Facebook und Privatsphäre braucht man eigentlich nicht wirklich mit mir diskutieren. Da ich öffentliche und von Fremdanbietern betriebene Plattformen grundsätzlich nicht als privaten Raum betrachte. Von daher beschränke ich mich auch auf für mich nicht private Dinge. Facebook hier als Übeltäter darzustellen, halte ich für falsch, wenn nicht sogar fatal. Vielmehr liegt es an mangelnder Medienkompetenz, wenn man sein Privatleben dort reinschreibt, klickt, hochlädt und teilt, was das Zeug hält.

Transaktionskosten

Eine Menge Aufwand für eine eigene Website? Sicher, irgend jemand hat vor das Ziel den Weg dorthin gestellt. Und je nach dem wie anspruchsvoll man selbst ist, ist dieser Weg mehr oder weniger anstrengend. Und diesen Weg gehen nun mal eher Menschen, die etwas Eigenes wollen und selbst aktiv sein möchten. Leute, die das Web mitgestalten wollen oder Firmen, die sich der Öffentlichkeit vorstellen. Auch Organisationen und Gruppen, die sich selbst präsentieren, ihre Ziele aufzeigen oder Wissen anbieten möchten, gehören zur Fraktion der aktiven Mitgestalter. Wer wandern will kauft sich auch die passenden Schuhe und informiert sich über passende Strecken. Wer nur zusehen will, schaut sich einen Film wie diesen an. Wie gesagt, damals gestalteten und entwickelten wenige Menschen für wenige, heute sind es wenige für viele.

Selbstverständlich haben wir ein Problem in diesem Land, die Rechtsprechung ist eher suboptimal und wird auch immer komplexer. Dennoch lasse ich den Kostenfaktor mal außen vor. Denn wer etwas wirklich will, der muss sich auch mit diesen Rahmenbedingungen auseinandersetzen. Und bei privaten Projekten ist dies in meinen Augen auch relativ einfach, kommerzielle kleinere Projekte haben es da durchaus schon schwerer.

Geld für Webspace? Na hey, also die Preise in diesem Segment sind echt am Boden. Ich denke für jeden Zweck gibt es da mittlerweile Pakete, die für einen Start durchaus mehr als ausreichenden sind. Und auch Technik, Strom und Arbeitsleistung wollen durchaus bezahlt werden. Wer ein Hobby hat, der muss dafür auch ein paar Cent springen lassen, investieren und sich weiterbilden.

Features und WordPress

Ich zitiere mal aus dem Artikel:

„Facebook ist in Sachen Features und Usability allen Ansätzen aus dem Open Web meilenweit voraus. Und selbst WordPress hat es als populärstes Content Mangement System trotz seiner großen “installed Base” nicht geschafft, featuremäßig auch nur in die Nähe zu kommen.“

Ich halte den Vergleich eigentlich nicht für sinnvoll. Denn wenn man WordPress mit Facebook vergleicht, ist dass in etwa so, wie wenn man einen Zug mit einem Wohnhaus vergleicht. In ersterem will man fahren, in letzterem möchte man ein Zuhause finden.

Aber ok, gehe ich mal darauf ein. Für mich persönlich ist Facebook total unübersichtlich und wirklich nur was für Menschen, die gerne den ganzen Tag klicken oder touchen, Hauptsache es passiert was. Was, ist egal. Klar gibt es dort auch Gruppen, Foren und Artikel, die man nutzen kann. Was die Features angeht, wohl gemerkt für Webmitgestalter, denke ich, ist das CMS WordPress um Meilen voraus.

Kann ich bei Facebook das Design so gestalten wie es mir gefällt? Nein! Kann ich bei FB den Code anpassen, wenn mir danach ist? Nein! Kann ich Facebook um eigene Features erweitern, wenn mir danach ist? Nein! Habe ich auf Facebook die Kontrolle über meine Artikel? Eher weniger! Kann ich Facebook und damit eine eigene Community auf meinem Webspace aufsetzen? Nein. Ok, ich höre ja schon auf, mit WordPress geht alles aufgezählte und noch vieles mehr. Allerdings will WP auch keine soziales Netzwerk sein, sondern ein System für Inhalte.

Lösungen?

Google ist sicherlich an einem freieren Web interessiert, als Facebook, die alleinige Lösung ist ein Konzern aber eher nicht. Woher sollen dann die Lösungen kommen? Hier sind wir gefragt, die heutige Minderheit des Web’s. Die Menschen, denen wichtig ist wie etwas funktioniert und nicht nur ob etwas funktioniert. Es ist unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass eine gewisse ernsthafte Medienkompetenz aufgebaut werden kann. Wir müssen weiterhin die Techniken und auch Inhalte mitgestalten. Und es gibt sehr viel da draußen, was wir nutzen und auch verbessern können. Von freier Software bis Inhalten ist alles da, wir müssen es nur besser machen und das Wissen darum vermitteln.

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